Die Auseinandersetzung mit Wagners Werk
macht deutlich, daß dieses dem
geistigen Erbe des Idealismus
und der romantischen Geisteswelt entschieden
verpflichtet
ist. Richard Wagner begreif sein Schaffen als Ausdruck einer ihn
impulsierenden Idee und Ideenwelt.
Der erste Abschnitt der Abhandlung beschäftigt sich folglich mit der
Vermittlung dieser Ideensphäre. Mittels geeigneter Quellen –
Hölderlin-s poetische Theorien sind hier besonders gewichtig – läßt
sich ein
methodisches Schema aufzeigen, das der Überschreitung der endlichen
Wirklichkeitserfahrung auf die Unendlichkeit der Idee eignet. Dieses
Schema hat eine ‚zentralperspektivische' Struktur, die letztlich auf
die Konzeption des
Bayreuther Festspielhauses übertragbar ist.
Der zweite Teil des Textes widmet sich der Forderung der Romantiker nach
einer neuen Mythologie, die den idealistisch-en Ansprüchen genügt und
in der die
Gesamtkunstwerk-Idee beschlossen ist. Es zeigt sich, daß die neue
Mythologie
wesentlich auf der Musik basiert und eine architektonische Hülle
mitmeint, die
den Mythos vollendend beschließt.
Im dritten Abschnitt wird das Bayreuther Festspielhaus gleichsam aus dem
Absoluten deduziert. Neben den Gedankengängen Schelling-s,
Schopenhauer-s,
Solger-s, Fichte-s, Kierkegaard-s und Nietzsche-s nehmen die Erwägungen
Wagner-s eine zentrale Stelle ein, da er die körperliche Gebärde (als
anthropomorphe Architekturminiatur) aus der Musik ableitet. In einer
Schritt für Schritt vorgehenden Ableitung wird letztlich die gesamte
Gestaltung des
Festspielhaus-Innenraum-s erklärbar.
Der abschließende Teil der Abhandlung betrachtet die
architekturgeschichtlichen Aspekte des Festspielhauses, ohne jedoch die
einleitenden theoretischen Erwägungen aus dem Auge zu verlieren. Dieser
Text
kann durchaus isoliert gelesen werde, falls sich der Leser nicht mit den
spekulative-n Überlegung-en und Ableitung-en der ersten drei Abschnitte
auseinandersetzen will.
Hans-Jürgen
Fliedner, Architektur und Erlebnis - das
Festspielhaus Bayreuth
(Von der architektonischen Schematisierung des Ideenerlebnisses),
40 Schaubilder und Abbildungen im Text, 132 Seiten,
Broschur, 20 x 15 cm,
ISBN 3-931248-05-4, VK: 14,- EURO