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Der mystische Abgrund am
Pulvermaar
Hans-Jürgen
Fliedner und sein Euphonia-Projekt
[jetzt als Buch erhältlich]
BAYREUTH [Nordbayerischer
Kurier, 7.11.1999]
Von Frank Piontek
„Euphonia ist
eine kleine Stadt von zwölftausend Seelen, in Deutschland, am
Abhange des Harzes gelegen. Man kann sie als ein großes Konservatorium der Musik betrachten, denn die Ausübung dieser Kunst ist der einzige Arbeitszweck ihrer Einwohner." Euphonia, dieses musikalische aller musikalischen Städtchen, hat nur einen Nachteil: Es existiert nur auf dem Papier und in den Hirnen weniger Menschen, toter wie lebender. Hans-Jürgen Fliedner hat über dieses Projekt, einer genialischen Idee des Hector Berlioz folgend, seit 1975 nachgedacht. Ein Jahr nach der Publikation der Pläne in seinem Coburger Synästhesie-Verlag stellte er die faszinierende Hirngeburt der „musikalischen Stadt" auf Einladung von Dr. Sven Friedrich im ehemaligen Salon nun in einer Soiree im Haus Wahnfried vor. Ohne Zweifel wird das
Projekt Utopie bleiben, denn es ist höchst
unwahrscheinlich, daß man das in der Eifel gelegene Naturschutzgebiet des Pulvermaars, also des erloschenen Vulkankegels, dem architekturbegeisterten Musikliebhaber, dem musikliebenden Architekturentwerfer Fliedner zur Verfügung stellen wird. Dort nämlich stellt sich Fliedner die ideale Landschaft für seine Stadt vor: Indem er ihr die im Geist der musikalischen Notation strukturierte Stadt einbettet. Die „idee fixe", also die berühmte „fixe Idee" - das Leitmotiv der „Symphonie fantastique" gibt Alles vor, da sie den Grundriß der Stadt mit Notenlinien, Taktstrichen, Notenschlüsseln, Noten und Pausenzeichen liefert. Hier haust man in Straßen und Häusern, die auf eine dem Komponisten würdige, nämlich leicht bizarre Art, der Musik, übrigens auch dem Werk des von Berlioz verehrten Christoph Willibald Gluck, verpflichtet sind: auch in Details, wenn das Knirschen der zufallenden Höllentore aus „La damnation de Faust" die rechte Begleitmusik zur Stadtlandschaft am Römerberg ist. Praktisch könnte der Besucher also mit Notenschlüsselgondeln über einen Kratersee zu einer Konzerthalle auf dem Pulvermaar fahren; er könnte mit einer aus einem Bassschlüssel gebildeten Bahn das Gelände erkunden, einen Signalorgelaussichtsturm besteigen und im Euphonia-Museum die Baugeschichte der Stadt studieren, indem er in einem vulkankraterähnlichen Gebäude den romantischen Schöpfungsprozess laufend nachvollzieht. Er könnte schließlich den Kult-Tempel betreten, in dem der „Materialisierungs- und Gestaltungsprozess in seiner expansiven, raumgewinnenden Dimension" verdeutlicht wird. Anders ausgedrückt: Indem der Zuhörer/-schauer im Werk „ertrinkt und versinkt", soll er der Werkidee bewußt werden. Höchst merkwürdiger Fall … Ja, das klingt alles auch ein wenig nach Wagner, seinem „Gesamtkunstwerk" und seinem Konzept des Festspielhauses, in dem das Werk, vertraut man den Interpreten der transzendentalen Opusdeutung, auf seinen metaphysischen Kern zurückgeführt werden soll. Die Idee ist nicht fix, sondern naheliegend; Wagner kannte schließlich Berlioz, er lernte auch von ihm, wie Massen und Motive organisiert werden können. Fliedner hat kürzlich eine Schrift über die „architektonische Schematisierung des Erlebnisses der Ideen", also über "Architektur und Erlebnis – Das Festspielhaus Bayreuth" veröffentlicht. Auf seltsam hintergründige, durchaus auch ironische Weise sind diese Gedanken in Euphonia verarbeitet worden. Sich vorzustellen, daß die utopisch bebaute Talsenke südöstlich des Pulvermaars dem Auditorium des Festspielhauses, der Kratersee dem „mystischen Abgrund" ähnelt – diese Idee hat schon etwas Abgründiges. Einem originellen Kopf entsprungen ist sie allemal. !!! NEU !!! Euphonia-Vortrag von Hans-Jürgen Fliedner als Video-Aufzeichnung. Vortrag im Kunstverein Coburg am 29. Februar 2008; Vortragsdauer ca. 01:50:00. Sie können die Vortrags-DVD käuflich erwerben (14,- EUR) bzw. 19,- EUR zusammen mit dem Euphonia-Buch.. Für weitere Informationen klicken Sie das Bild oben an. Auf der separaten "Video-Seite" finden Sie eine differenzierte Inhaltsangabe und "Links" zu drei "Video-Ausschnitten" zum "Test-Sehen-Hören". Im Synästhesie-Verlag Coburg veröffentlichte H.-J. Fliedner: „Euphonia – Die musikalische Stadt" und „Architektur und Erlebnis – Das Festspielhaus Bayreuth". Erste Präsentation des Euphonia-Projekts: Rezensionen von: Hubert Fromm, Neue Presse, 7.2.1985; rb., Coburger Tageblatt, 5.2.1985 und Wolfgang Rüdell, Fränkischer Tag, 11.2.1985 Zur Seite: Berlioz / Fliedner - Euphonia Zur Seite: Fliedner - Festspielhaus Bayreuth Zur Homepage / Startseite E-mail / Kontakt / Resonanz / (Bestellung) GÄSTEBUCH, Äußern Sie sich zum Verlagsprogamm, zu den Rezensionen, etc; gegebenenfalls anonym (per Pseudonym) und ohne Angabe Ihrer E-mail-Anschrift. [ Seitenanfang
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